Bekenntnis von A. Belkacem Ibazizen

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Liebe auf den ersten Blick eines kleinen Moslems

Es war ganz weit versteckt in den Bergen der Kabylei (Algerien), wo der kleine 10-jährige Moslem Iba Zizen 1910 Theresia entdeckte. Diese Begegnung war einschneidend, wie er in seiner Selbstbiographie schreibt. Hier sind einige Episoden, die Frau Ibazizen erzählt hat.

Bezüglich eines Dienstes, den er auszuführen hatte - die Ausleihe eines Buches - wurde Iba Zizen von einem Freund zu einem Missionar geführt, der ihn in seinem kleinen Zimmer empfing. Sein Blick schnappte sofort ein Bild auf, das über dem kleinen Kamin hing. War das vielleicht eine Verwandte des Priesters ? Vielleicht seine Mutter, als sie jung war ?

Der Priester verstand seinen Blick und erkannte die nicht formulierte Frage. Er antwortete ihm : « Das ist die kleine Schwester Theresia von Lisieux, gestorben vor einigen Jahren wie eine Heilige ! »

Diese Worte sagten ihm nichts, aber trotzdem behielt er sie in seinem Gedächtnis. Der Priester erklärte weiter : « Eine Christin, die ihren Gott so liebte, dass sie ihm ihr Leben schenkte. Sie starb mit 24 Jahren in einem Kloster, nachdem sie ihr Leben lang mit Feuereifer die Tugenden ausfindig machten wollte, die Gott sich von seinen Geschöpfen nur wünschen kann. »

« Dieser unbeschreibliche Blick, der das Jenseits anzustreben schien und mich fesselte, setzte sich in mir fest, begleitet von einem unwiderstehlichen Ruf. Ich hatte den Eindruck, jemanden zu entdecken, der auf mich wartete, um mir den Weg zu bahnen, den ich im Dunkeln meiner Kindheit suchte. »

Einige Zeit später bat dieser gleiche Freund, der erste Christ des Dorfes, ihn und einige Freunde zu ihm zu kommen, um mit ihm das Vaterunser zu beten, das, wie er sagte, einen universellen Charakter habe. Es könne sehr wohl von Christen als auch von Muslimen gebetet werden. Iba Zizen ging dorthin mit dem festen Vorsatz, bei der erstbesten Gelegenheit in Lachen auszubrechen.

« Es war nicht der Fall. An diesem Abend wurde ich durch einen Ruf gelenkt, der sich hinter meinen halb geschlossenen Augen bemerkbar machte : Das berühmte Bild war wieder präsent und schien mir zu versichern : 'Die Worte, die du wiederholst, habe ich tausend Mal vor dir gesprochen !«

So wurde der Knabe, der nach einer Gelegenheit des Lächerlichmachens Ausschau hielt, durch die Gnade einer Unsichtbaren dazu gebracht, zum ersten Mal in seinem Leben voller Inbrunst das fundamentale Gebet der Christen mitzubeten.

Während des Krieges im Jahre 1914 kämpfte Iba Zizen als französischer Soldat in der Gegend von Varennes . Beim Durchqueren eines Waldes geriet er in den Beschuss des Feindes.

« Die Geschosse näherten sich mit großer Geschwindigkeit. Wir suchten alle drei Schutz hinter einem Baum. Und in derselben Sekunde ereigneten sich zwei Dinge : Ich sah in einem Schein das Bild der kleinen Schwester Theresia von Lisieux. Ihr Gesicht war genauso klar wie das, das mich in dem Zimmer des Priesters schon so beeindruckt hatte. Während ich dies sah, schlug die Granate gegen den Baum, unter dem wir uns versteckt hielten.
Ich blieb zusammengekauert und bewusstlos liegen, wielange, weiß ich nicht, in der Hoffnung, dass sich um uns herum bald alles beruhigen wird. Dann stellte ich mich langsam wieder auf die Beine. Ich fühlte ein Gewicht auf meiner Schulter und eine Schwere in einem meiner Beine. War ich doch verwundet ? Als ich mich umdrehte, erkannte ich den Albtraum. Meine beiden Kameraden waren von der Granate durchlöchert und ich hatte noch nicht einmal einen Kratzer.
Wie konnte ich lebend diesem tödlichen Gewitter entkommen zwischen zwei dahingestreckten Körpern ? Wer hat mich beschützt und warum, wo ich mich doch auf dem verdammt gleichen Ort befand, wo der Tod erbarmungslos zuschlug ? Was wollte das Bild, das mir im gleichen Moment der Detonation erschien, sagen ? »

Für Iba Zizen war die Antwort klar : Nach Kriegsende begab er sich nach Lisieux, zum Grab von Theresia.

« Es war im September 1920 ; Schwester Theresia war noch nicht heilig gesprochen und ihre Reliquien ruhten bei ihren Mitschwestern auf dem städtischen Friedhof. Kein Schmuck, kein Luxus, nichts, was das Auge anziehen könnte, lag zwischen dem andächtigen Besucher und dem kleinen Hügel, auf dem sich ein ausgewaschenes Holzkreuz erhob mit der Inschrift, die berühmt werden sollte : « Thérèse Martin , Schwester vom Kinde Jesus » . Ich fühlte sie so erreichbar, so nah, dass es für mich ganz klar war, dass sie mich tatsächlich beschützt hatte. »

Einige Jahre später ließ sich Iba Zizen taufen. (Er nahm den Namen Augustinus an.) Sein ganzes Leben war von einer besonderen Verehrung für die heilige Theresia geprägt. Jedes Jahr begab er sich nach Lisieux. Sein Glaube war voller Treue und Hingabe und festigte so die besondere Aufmerksamkeit Theresias ihrem Schützling gegenüber.

Auszüge aus dem Buch Thérèse Aimer, c' est tout donner unter Mitwirkung von Mgr Guy Gaucher, Mgr Louis Sankalé, Pierre Descouvemont, Editions de l' Emmanuel, 2012. S.107-111

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Augustin-Belkacem Ibazizen, geboren am 17. Mai 1897 in Ait Laarba (in der Kabylei), gestorben in Paris am 10. November 1980, war ein Jurist, Politiker und französischer Schriftsteller.
Sehr jung verspürte er unter dem Einfluss seines Vaters und seiner ersten Lehrer eine tiefe Anziehungskraft für Kultur und die christliche Religion. Während des Ersten Weltkrieges diente er im Jahre 1917 als Fähnrich in einem Regiment der algerischen Schützen. Er wurde mit dem Kriegskreuz ausgezeichnet.
Nach der Demobilisierung im Jahre 1920 ließ er sich in Paris nieder und studierte Jura und Literaturwissenschaften an der Sorbonne. Er erhielt als Soldat die französische Staatsbürgerschaft und ließ sich auf den Vornamen Augustinus taufen.