Louis Martin

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Louis Martin wird am 22. August 1823 in Bordeaux geboren und in den Militärlagern erzogen, wo sein Vater gerade in Garnison ist. Er hat sich entschieden, das Uhrmacherhandwerk auszuüben.

Mit etwa 22 Jahren hat er daran gedacht, in eine Ordensgemeinschaft einzutreten, und zwar ins Kloster auf dem Großen Sankt Bernhard in hochgelegener Einsamkeit zur Hilfeleistung für im Gebirge verirrte Reisende. Da er wegen Unkenntnis des Lateins abgewiesen wird, macht er sich nach seiner Rückkehr ans Studium dieser Sprache.

Nach einem dreijährigen Studium in Paris lässt er sich 1850 bei seinen Eltern in Alencon nieder. Diese bewohnen ein Uhrmacher- und Juweliergeschäft in der rue du Pont-Neuf 15. Louis, ruhig und meditativ, führt während acht Jahren ein Leben der Arbeit, das nur lange Stunden beim Fischen, einige Jagdpartien und Abende unter jungen Leuten im katholischen Zirkel aufheitern. Seinen Bemühungen um das Latein setzt er ein Ende, aber sein Glaube bleibt lebendig und einsatzfreudig. Auch wenn gute Verkaufsmöglichkeiten auf dem Spiel stehen, öffnet er sein Geschäft niemals am Sonntag. Messbesuche unter der Woche, nächtliche Anbetung und Wallfahrten beweisen, dass dieser Mann ein Christ ist, der sich nicht schämt, sich als solcher zu bekennen.

Frau Martin beunruhigt sich, ihn mit 34 Jahren noch unverheiratet zu sehen. Während sie Kurse besucht, um die Herstellung der Alencon-Spitzen zu erlernen, hat sie ein lebendiges, liebenswürdiges, sehr christliches Mädchen bemerkt, das sehr begabt ist für diese Kunst der Herstellung jener Spitze, die Alencon in Europa berühmt gemacht hat. Wäre sie nicht eine treffliche Frau für ihren Louis?

Louis Martin und Azélie Guérin heiraten am 13. Juli 1858 in der Kirche Notre-Dame in Alencon.
Doch ihr Eheleben wird oft durch Trauer und Tod belastet. Sie tragen 4 Kinder zu Grabe und schließlich verliert Louis seine geliebte Zélie durch Brust- und Knochenkrebs bereits im Alter von knapp 46 Jahren. Er selbst ist jetzt 54 Jahre alt. Wie wird er alles meistern, nachdem er durch den Tod seiner Frau tief getroffen ist, umgeben von 5 Töchtern? ... Seine Schwägerin schlägt eine weise Lösung vor: Die Martins sollen kommen, um in Lisieux zu leben. Sie kaufen dort ein Haus, les Buissonnets, und ziehen dort am 30. November 1877 endgültig ein. Louis hat sein Geschäft für 3000 Franken verkauft.

Louis findet in den Buissonnets einen Ort, wo er seiner Neigung für die Einsamkeit nachgeben kann. Er liest, schreibt und meditiert. Er arbeitet aus Pflichtgefühl im Garten, befasst sich mit dem Hühnerhof, mit dem Holz fürs Feuer. Sein Hauptaugenmerk legt er auf die Erziehung seiner Töchter, die er nach und nach an Gott wieder zurück geben muss, indem sie alle zu Ordensfrauen werden. Besonders hart trifft Louis Theresias Wunsch, in den Karmel eintreten zu wollen. Aber auch ihr, seiner "Königin", will er nicht im Wege stehen. Schweren Herzens und aus seinem tiefen Glauben heraus stimmt er diesem Wunsch zu.

Mit der Zeit fällt Louis einer davon schreitenden Demenz zum Opfer. Er wird im Sanatorium in Caen untergebracht. Im Mai 1892 nimmt die Familie Guérin Louis zu sich, dann, im Juli wohnt er zusammen mit Léonie und Céline in der rue Labbey in Lisieux. Die Beine des Kranken tragen ihn nicht mehr. Am 27. Mai 1894 erleidet Louis einen Anfall. Sein linker Arm ist gelähmt. Er empfängt das Sakrament der Krankensalbung. Am 5. Juni kommt eine Herzkrise hinzu. Louis Martin stirbt am 29. Juli 1894 im Beisein seiner Tochter Céline und wird am 2. August in Lisieux beerdigt.

(vgl.: Guy Gaucher, Chronik eines Lebens, Therese von Lisieux (1873-1897), Johannes-Verlag, Leutesdorf, 2004.)