Léonie Martin

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Die Geschichte der Léonie Martin

Léonie Martin, Schwester Françoise-Thérèse im Kloster der Heimsuchung Mariens in Caen, wurde am 3. Juni 1863 in Alençon als dritte Tochter der Eheleute Louis und Zélie Martin geboren. Ihre Gesundheit war instabil und mit 18 Monaten war sie dem Tod näher als dem Leben.
Von Anfang an war Léonie ein wenig isoliert, denn die beiden älteren Schwestern Marie und Pauline fühlten sich sehr verbunden, genauso wie die beiden Jüngsten, Céline und Therese. Der Tod der 5-jährigen Schwester Hélène, die ein Jahr nach ihr geboren wurde, hat diese Isolation noch verstärkt.
Wie ihre älteren Schwestern sollte auch Léonie das Pensionat in Le Mans besuchen. Aber der Versuch eines Probeaufenthalts scheiterte und sie wurde wieder nach Hause geschickt. Die Briefe von Zélie Martin erzählen von ihren Sorgen über Léonies späte Entwicklung.
(„Was Léonie betrifft, so kann nur der liebe Gott sie ändern, und ich bin davon überzeugt, dass er das tun wird“, schreibt Zélie. Und an anderer Stelle heißt es: „Sie liebt mich so sehr, wie es ihr möglich ist zu lieben, und mit dieser Liebe dringt nach und nach die Liebe Gottes in ihr Herz.“)
In der Familie wurde sie intensiv von Liebe, Geduld, Fürsorge und Gebet begleitet. Léonie hatte den großen Wunsch „eine wirkliche Ordensfrau“ zu werden. Anfang 1877 schrieb sie ihrer kranken Tante:
„Meine liebe Tante, wenn Du im Himmel bist, bitte den lieben Gott – ich flehe Dich an -, mir die Gnade der Bekehrung zu geben und die Berufung, eine echte Ordensfrau zu werden; denn daran denke ich jeden Tag. Ich bitte Dich sehr, vergiss meine kleine Bestellung nicht; denn ich bin sicher, dass Gott Dich erhören wird.“ Zélie, ihre Mutter, ist beeindruckt von der Intensität dieser Korrespondenz, denn sie macht sich große Sorgen, was aus Léonie wird, wenn sie einmal nicht mehr ist. Diese Gedanken sind aufgrund der fortschreitenden Krankheit von Frau Martin berechtigt. Am 18. Januar schreibt sie ihrer Schwägerin: „Ihre Zukunft beunruhigt mich am meisten. Ich sage mir: ‚Was soll aus ihr werden, wenn ich ihr fehle?’ Ich wage gar nicht, daran zu denken. Aber ich versichere Dir, dass dieses Briefchen mir neuen Mut gemacht hat und ich zu hoffen anfange, dass Gott sich dieses Kindes erbarmen wird.“
Am 7. Oktober 1886 bat Léonie im Klarissenkloster in Alençon um Aufnahme. Aufgrund ihrer geschwächten Gesundheit verließ sie das Kloster nach nur sieben Wochen wieder. 1887 trat Léonie in das Kloster des Ordens von der Heimsuchung in Caen ein, wo sie allerdings nur sechs Monate blieb. Nun kümmerte sie sich um Arme, Kranke und Sterbende in Lisieux.
Als Louis Martin schwer erkrankte, wurde er im Hospital
Bon Sauveur in Caen untergebracht. Léonie und Céline versorgten in dieser Zeit ihren Vater.
Am 24. Juni 1893 machte Léonie einen zweiten Versuch bei den Heimsuchungsschwestern in Caen, musste aber zwei Jahre später krankheitsbedingt wieder austreten. Aber der Wunsch, ihr Leben im Kloster zu verbringen, hatte Bestand.
Ein Jahr nach dem Tod ihrer jüngsten Schwester Therese las sie deren Autobiographie
Die Geschichte einer Seele und dieses Buch verhalf ihr, ihre eigene Berufung zu verwirklichen.
Im Alter von 35 Jahren trat Léonie am 28. Januar 1899 ins Kloster der Salesianerinnen von Caen ein. Sie wurde am 30. Juni 1899 eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Schwester Françoise-Therese.
Sie arbeitete unter anderem auf der Krankenstation, in der Sakristei und an der Pforte. Ihre schwache Gesundheit machte ihr weiterhin zu schaffen.
Léonie war sich ihrer Grenzen bewusst und sie hat auf Gottes Barmherzigkeit vertraut. Sie hat sich die Worte ihrer „Großen Heiligen Schwester Therese“ zu eigen gemacht:
„Seitdem ich verstanden habe, dass ich selbst überhaupt nichts tun kann, erschien mir die Arbeit nicht mehr schwer. Ich spürte, dass das einzig Notwendige war, mich immer mehr mit Jesus zu vereinen und alles andere wird mir gegeben.“
Mit ihren Schwestern im Karmel von Lisieux stand sie in Briefkontakt. Nur ein einziges Mal sahen die Schwestern sich, nämlich anlässlich einer Zeugenaussage von Léonie im Zuge des Seligsprechungsprozesses von Therese. Dass ihre Schwester Therese von Papst Pius XI. am 29. April 1923 selig- und am 17. Mai 1925 heiliggesprochen wurde, war für Léonie eine große Freude. Mit ihren leiblichen Schwestern aus Lisieux wurde sie zu den Feierlichkeiten der Heiligsprechung nach Rom eingeladen, aber alle vier zogen es vor, in ihrem Kloster zu bleiben, um Aufsehen zu meiden.
Zu Beginn des Jahres 1941 wurde Léonie, von Krankheit gezeichnet, aus ihrer Zelle in das Krankenzimmer verlegt. In der Nacht vom 16. auf den 17. Juni starb sie friedlich in Gegenwart ihrer Oberin.

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Seligsprechungsprozess

Seit ihrem Tod kommen viele Pilger an das Grab von Léonie Martin. Besonders Eltern mit schwierigen Kindern rufen sie um ihre Fürsprache an.
Am 24. Januar 2015 verkündete der Bischof von Bayeux, Jean-Claude Boulanger, dass er bei der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen um Erlaubnis bitten werde, den Seligsprechungsprozess für Léonie Martin auf Diözesanebene eröffnen zu dürfen. Am 25. April 2015 wurde das Grab von Léonie Martin geöffnet. Der gut erhaltene Leichnam wurde in einen Schrein aus Plexiglas gelegt, dann wurden die Reliquien Léonie Martins in die Klosterkirche der Schwestern von der Heimsuchung übertragen. Am 2. Juli 2015, dem Fest der Heimsuchung Mariens, eröffnete Bischof Boulanger feierlich den Seligsprechungsprozess. Postulator für den Prozess ist der italienische Karmelit Antonio Sangalli, Generalpostulator des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten.
(2016)

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Hier in der Krypta des Klosters der Visitation befand sich die letzte Ruhestätte von Léonie Martin von Juni 1941 bis April 2015.

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Nachdem das Grab von Léonie Martin am 25. April 2015 geöffnet worden war, stellte man fest, dass ihr Körper gut erhalten war, nur ihre Füße fehlten. Ihre Organe waren mumifiziert. So zog man Léonie mit ihrem Habit an und legte den Körper in einen Glasschrein.

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Am 21. Januar 2017 nun, während einer feierlichen Eucharistiefeier, der Monseigneur Bischof Boulanger vorstand, überführte man den Schrein in die Kapelle des Klosters der Visitation in Caen, wo Léonie nun endgültig ihre letzte Ruhestätte findet.

Chronologie der Léonie Martin

3. Juni 1863
Geburt von Léonie in Alençon, 3. Tochter der Martins
23. Mai 1875
Erste Kommunion in Alençon
18. Juni 1877
Léonie begleitet mit Pauline und Marie ihre kranke Mutter nach Lourdes
3. Oktober 1881
Léonie beendet ihre Ausbildung bei den Benediktinerinnen in Lisieux
14. Juni 1884
Léonie ist Firmpatin bei Therese
7. Oktober 1886
Erster Versuch des Klostereintritts von Léonie bei den Klarissinnen
1. Dezember 1886
Austritts Léonies
16. Juli 1887
mit 24 Jahren tritt Léonie ins Kloster der Visitation in Caen ein
6. Januar 1888
Austritt Léonies
24. Juni 1893
zweiter Versuch des Eintritts bei den Visitantinnen
6. April 1894
Einkleidung Léonies unter dem Namen Schwester Thérèse-Dorithée
20. Juli 1895
Léonie verlässt die Visitation und wohnt bei ihrem Onkel in Lisieux
28. Januar 1899
dritter Eintritt Léonies im Kloster der Visitation
30. Juni 1899
neue Einkleidung unter dem Namen Schwester Françoise-Thérèse
2. Juli 1900
Ewige Profess
17. Juni 1941
Tod von Léonie mit 78 Jahren
21. Juni 1941
Beerdigung in der Krypta des Klosters der Visitation
11. März 1945
Thereses Reliquien besuchen das Grab ihrer Schwester
25. April 2015
Exhumierung
2. Juli 2015
Offizielle Eröffnung des Seligsprechungsprozesses
18. Juli 2016
Léonies Körper wird mit ihrem Habit angezogen und in einen Glasschrein gelegt
21. Januar 2017
Feierliche Überführung des Glasschreins in die renovierte Kapelle des Klosters